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Adoleszenz und Erwerbsarbeit

Basisinformationen
  • Typ: Promotion
  • Laufzeit: 2015-2019
Projektbeschreibung

Jugendliche strebten nach Selbstverwirklichung, wollten nicht mehr nine to five, sondern flexibel, kreativ und autonom arbeiten – diese These findet sich nicht nur gegenwärtig in der Debatte um die sogenannte Generation Y, sondern auch schon in arbeitssoziologischen Studien der 1980er Jahre (und auch schon früher…). Während die Arbeitssoziologie ihre Thesen theoretisch und empirisch untermauern konnte, geraten sowohl öffentliche als auch wissenschaftliche Debatten zur Generation Y bei näherem Blick schnell ins Wanken. In zumeist quantitativen Studien zeigen sich tendenziell eher Re-Materialisierungstendenzen, ein deutlich stärkeres Sicherheits- als Selbstverwirklichungsstreben unter Jugendlichen; letztlich bleibt aber auch eine solche Interpretation unterkomplex, fängt das subjektive Verhältnis Jugendlicher zur Erwerbsarbeit nur oberflächlich ein. Neben empirischen Leerstellen drückt sich auch in der zeitdiagnostischen Vielfalt hinsichtlich adoleszenter Orientierungsmuster eine gewisse Unklarheit aus. Der subjektive Bezug zur Erwerbsarbeit wird auch hier in den schillerndsten Farben ausgemalt – von egoistischen Machern bis zu heimlichen Revolutionären, von Kulturpessimismus bis zum utopischen Feuer. Diese Deutungen resultieren nicht zuletzt aus einem theoretischen Freiraum heraus. Während sich die Arbeitssoziologie in ihrer Interpretation jugendlicher Arbeitsorientierungen auf soziologische und sozialpsychologische Adoleszenztheorien stützte, werden derzeit kaum noch überhaupt theoretische Konzepte auf das Thema angewandt.

Das Promotionsprojekt zielt daher auf theoretischer Ebene auf ein Re-Reading klassischer sowie aktueller Adoleszenztheorien zur Interpretation und Analyse von jugendlichen Arbeitsorientierungen. Zudem werden gegenwärtige Debatten um die jugendliche Sozialisation vor diesem Theoriehintergrund beleuchtet, um einerseits die Komplexität, andererseits die Unklarheit hinsichtlich gegenwärtiger subjektiver Bezüge Jugendlicher auf die Erwerbsarbeit zu verdeutlichen.

Empirisch verfolgt die Arbeit einen Mixed-Methods-Ansatz, wobei die quantitative und qualitativen Erhebungs- und Auswertungsmethoden unabhängig voneinander angewandt werden. Quantitativ wird anhand repräsentativer Datensätze (ALLBUS 1982-2016) überprüft, welche Arbeitsorientierungen Jugendliche einnehmen und wie sich diese sowie Strukturierungsfaktoren historisch gewandelt haben. Letztlich verbleibt die quantitative Analyse jedoch in ihrer Vorstrukturierung jugendlicher Orientierungen problematisch, weshalb darauf aufbauend in leitfragengestützten, biographisch-orientierten Interviews mit Jugendlichen im Alter von 14-18 Jahren deren subjektives Verhältnis zur Erwerbsarbeit zuerst herausgearbeitet, dann in ihrer (psychosozialen) Strukturierung analysiert werden sollen.

 

Beteiligte Personen:

Andreas Fischer