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Biomedizinische Lebensplanung für das Altern. Werte zwischen individueller ethischer Reflexion und gesellschaftlicher Normierung

Basisinformationen:
Projektbeschreibung:

Vor allem in modernen Industrieländern erreichen die Menschen ein immer höheres Alter. So liegt die Lebenserwartung bei Geburt in den modernen westlichen Gesellschaften heute um 50 Prozent über der des Jahres 1900. Und auch die Art und Weise, wie wir unser Alter gestalten, verändert sich. Das Alter als nachberufliche Phase ist zu einer eigenen, aktiv zu gestaltenden Lebensperspektive geworden, die in der Regel viele gesunde und tendenziell weniger Jahre in Armut und Krankheit in Aussicht stellt. Nun stehen neue medizinische Entwicklungen wie die Anti-Aging-Medizin oder rechtliche Instrumente wie z.B. Patientenverfügungen als weitere mögliche Instrumente zur Verfügung, unser eigenes Leben – eingeschlossen das Älterwerden und das Sterben – planend zu gestalten. Doch wie gehen wir mit den neuen Möglichkeiten tatsächlich um? Erleichtern sie den Umgang mit dem eigenen Älterwerden oder sind sie Quelle neuer Unsicherheiten?

Um diese Frage zu beantworten, rekonstruieren wir sowohl den Expertendiskurs um Anti-Aging-Medizin und Patientenverfügungen als auch deren alltags- und lebensweltliche Bedeutung:

Mit Hilfe des von der wissenssoziologischen Diskursanalyse zur Verfügung gestellten Instrumentariums untersuchen wir zunächst die vorhandenen Deutungsmuster und Praktiken der professionellen Akteure des biomedizinischen Diskurses. Wir analysieren dazu Experteninterviews, Webseiten relevanter Organisationen sowie Protokolle besuchter Fachtagungen und Kongresse, um ein plastisches Bild des Expertenwissens zu erhalten.

Weiterhin fragen wir nach der lebens- und alltagsweltlichen Bedeutung von Anti-Aging Praktiken und Patientenverfügungen. Wie gehen wir mit den uns angebotenen Möglichkeiten um und welche Rolle spielen sie in unserem Alltag und bei der Lebensplanung? Mit Hilfe narrativer Interviews und Gruppendiskussionen gehen wir der Frage nach, welche Relevanzhorizonte sich beim Interesse an „Anti-Aging“ oder der Patientenverfügung eröffnen und welche biographischen Entscheidungsstrukturen in diesem Feld nachweisbar sind. Ziel ist somit die Exploration möglicher Typen des Umgangs, der Verarbeitung und Erfahrung neuer biomedizinischer (Anti-Aging) und rechtlicher (Patientenverfügung) Instrumente.

Beteiligte Personen:

Dr. Kai Brauer

Dr. Larissa Pfaller

Prof. Dr. Frank Adloff

Alexander Anthony

Iris Hilbrich

Basil Wiesse

Annabarbara Friedrich

Maika Bernd

  • Spindler, Mone / Pfaller, Larissa (2017): „Google vs. Death“ – Neue Fragen an die Anti-Aging-Medizin?. In: Altern zwischen Botox und Demenz. Gerontologie und Ethik im Dialog. Zürich.
  • Pfaller, Larissa / Spindler, Mone (2017): Medizinischer Diskurs und alltagsweltliche Aneignung des Anti-Aging. Zwei Forschungsdesigns zur Analyse einer kulturellen Praxis. In: Altern zwischen Botox und Demenz. Gerontologie und Ethik im Dialog. Zürich.
  • Schweda, Mark / Pfaller, Larissa / Brauer, Kai / Adloff, Frank / Schicktanz, Silke (Hg.) (2017): Planning Later Life. Bioethics and Public Health in Aging Societies. London, New York: Routledge.
  • Pfaller, Larissa / Adloff, Frank (2017): Paradoxes of Planning Later Life: Anti-Aging Practices and the Lived Body. In: Schweda, Mark / Pfaller, Larissa / Brauer, Kai / Adloff, Frank / Schicktanz, Silke (Hg.), Planning Later Life. Bioethics and Public Health in Aging Societies. London, New York: Routledge, S. 191-204.
  • Schweda, Mark / Pfaller, Larissa (2017): „Regimes of Hope“ in Planning Later Life: Medical Optimism in the Field of Anti-Aging Medicine. In: Loffeier, Iris / Moulaert, Thibauld / Majerus, Benoait (Hg.), Framing Age. Contested Knowledge in Science and Politics. London: Routledge, S. 56-69.
  • Pfaller, Larissa / Schweda, Mark (2017): Altern zwischen Medikalisierung und reflexiver Praxis: Der Alltag im Zeichen des Anti-Aging. In: Endter, Cordula / Kienitz, Sabine (Hg.), Alter(n) als soziale und kulturelle Praxis. Ordnungen – Beziehungen – Materialitäten. Bielefeld: Transkript, S. 155-176.
  • Pfaller, Larissa / Adloff, Frank (2017): „Mein Leben ist ein Fortfahren von Eigenreparatur“ – der Körper im Zeichen des Anti-Aging. In: Keller, Reiner / Meuser, Michael (Hg.), Alter(n) und vergängliche Körper. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 91-107.
  • Pfaller, Larissa (2015): Die Avantgarde der Biomedizin? Soziologische Einsichten in den Alltag der Anti-Aging Medizin. In: Öffentlicher Vortrag mit Diskussion, Institut für Ethik und Geschichte der Medizin. Göttingen.
  • Pfaller, Larissa / Adloff, Frank (2015): „Jeder möchte lange leben, aber keiner will alt werden“. Perspektiven des Alter(n)s in der Gegenwart. In: Forschende Kunst 3. Perspektiven des Alterns, S. 10-11.
  • Pfaller, Larissa (2016): Anti-Aging als Form der Lebensführung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
  • Brauer, Kai / Adloff, Frank / Pfaller, Larissa (2014): „Wie mit mir umzugehen ist“. Zur biographischen Relevanz und Prospektivität von Patientenverfügungen. In: Soziale Welt, 65 Jg., H. 4, S. 425-449.
  • Schweda, Mark / Pfaller, Larissa (2015): “Regimes of Hope” in Planning Later Life: Medical Optimism in the Field of Anti-Aging Medicine. In: Ageing: Between Science and Politics. An International and Interdisciplinary Conference of FRAMAG Research Program. Luxemburg.
  • Pfaller, Larissa / Schweda, Mark (2015): „Also was ist denn jetzt wirklich das Beste für mich?“ Anti-Aging als ritualisierte Selbstsorge. In: Altern in Beziehungen. Ordnungen. Praktiken. Materialitäten. Hamburg.
  • Brauer, Kai / Pfaller, Larissa (2014): Akteure (vor) der finalen Krise: Patientenverfügungen als symbolische Krisenbewältigung. In: Routinen der Krise – Krise Der Routinen. 37. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Trier.
  • Pfaller, Larissa / Adloff, Frank / Brauer, Kai (2014): „Ich denke, ganz wichtig ist einfach der Wohlfühlfaktor“ – Anti-Aging zwischen ungewisser Zukunft und praktischer Gewissheit. In: Routinen der Krise – Krise Der Routinen. 37. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Trier.
  • Pfaller, Larissa (2014): „I don‘t just want to watch myself growing old“ – empirical findings on anti-aging as an everyday practice. In: Ageing, Anti-Ageing & Ageism Constructions and Politics of Being Old in Europe. 2nd Mid-term conference of the Research Network on Ageing in Europe (RN 1) European Sociological Association (ESA). Klagenfurt.
  • Pfaller, Larissa (2014): Anti-Aging as a Way of Life. In: Facing an Unequal World: Challenges for Global Sociology – XVII World Congress of Sociology der International Sociological Association. Yokohama, Japan.
  • Pfaller, Larissa / Schweda, Mark (2014): Ewige Jugend. In: Wodianka, Stephanie / Ebert, Juliane (Hg.), Metzler Lexikon Moderner Mythen. Figuren, Konzepte, Ereignisse. Stuttgart, Weimar: J.B. Metzler, S. 119-121.
  • Schweda, Mark / Pfaller, Larissa (2014): Colonization of later life? Laypersons‘ and users‘ agency regarding anti-aging medicine in Germany. In: Social Science and Medicine, 118 Jg., S. 159-165.
  • Pfaller, Larissa / Schicktanz, Silke / Schweda, Mark (2013): Anti-Aging und die Ethik biomedizinischer Lebensplanung. In: FIPH-Journal, 22 Jg., S. 22-23.
  • Pfaller, Larissa (2011): Anti-Aging in Germany – Reconstructing the Perspectives of Experts and Users. In: Living Later Life: Ethical and Social Aspects of Aging in Modern Medicine. San Francisco.
  • Pfaller, Larissa (2011): Anti-Aging als soziales Phänomen – eine „Technologie des Selbst“. In: Technologien der Selbstverwirklichung – Spielräume des Alterns. Die Neurowissenschaften und die Individualisierung der späten Lebensalter. Heidelberg.
  • Adloff, Frank / Brauer, Kai / Pfaller, Larissa (2011): Anti-Aging und Patientenverfügungen: Symbolisierungen von Selbstsorge und Selbstbestimmung. In: Zweites Statussymposium der Volkswagen Stiftung. Jena.
  • Pfaller, Larissa / Schweda, Mark (2012): Hope and hype – Dealing with uncertainty in the field of anti-aging medicine (Poster-Präsentation). In: Thinking Ahead – 11th World Congress of Bioethics. Rotterdam.
  • Pfaller, Larissa (2012): Biomedizinische Lebensplanung für das Altern. In: Arbeitsgruppe „Altern und Ethik“ in der Akademie für Ethik in der Medizin. Göttingen.
  • Freier, Carolin / Pfaller, Larissa (2012): Normierte Vielfalt? Individuelle Lebensführung im Fokus hegemonialer Gesundheitspraktiken um Alter(n) und Arbeitslosigkeit. In: 36. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Bochum.
  • Pfaller, Larissa (2013): From Users to Adherents – Anti-Aging as a Way of Life. Qualitative Interviews and Biographical Perspectives. In: Planning Later Life – Bioethics and Politics in Aging Societies. Göttingen.
  • Adloff, Frank / Brauer, Kai / Pfaller, Larissa (2013): Anti-Aging als körperliche Inszenierung der „bewussten Lebensführung“. In: Körperwissen II: Alter(n) und vergängliche Körper – gemeinsame Tagung der Sektionen „Soziologie des Körpers und des Sports“ und „Wissenssoziologie“ der DGS. Dortmund.
  • Adloff, Frank / Pfaller, Larissa (2013): Anti-Aging als körperliche Inszenierung der „bewussten Lebensführung“. In: Grenzen der (religiösen) Zurichtung des Körpers – 3. Internationale Tagung des Zentralinstituts »Anthropologie der Religion(en)«. Erlangen.