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Der Mensch als Ware. Sakralisierungsprozesse in der gegenwärtigen Arbeitsgesellschaft

Basisinformationen
  • Typ: Promotion
  • Laufzeit: 2015 – 2018
  • Förderung: DFG (Graduiertenkolleg 1718 „Präsenz und implizites Wissen)
Projektbeschreibung

Was eint eine pluralistische Gesellschaft? Diese Frage nach der sozialen Integration von Gesellschaft beantwortete Emile Durkheim in Anschluss an seine religionssoziologischen Schriften mit dem Individuum als ‚das Heilige‘, d.h. als unantastbare und einende Entität einer Gesellschaft: Da die soziale Integration über die sozialen Prozesse der Religion in modernen Gesellschaften brüchig geworden sei, ist für Durkheim das Prinzip der Unantastbarkeit des Individuums das letzte Gemeinsame, über welches Gesellschaft geeint werden könne. Doch nicht nur von dieser Prämisse ausgehend scheint der Blick auf die Sakralisierung des Individuums soziologisch interessant. Hinsichtlich der Fragestellung des Kollegs zeigt sich, gerade in Anschluss an die Arbeiten Durkheims und Erving Goffmans, dass kollektive, aber auch in Interaktionsordnungen eingelagerte Sakralisierungsprozesse Bezug auf kollektiv geteiltes implizites Wissen und dessen sozialer Begründung in Akten der Kopräsenz nehmen.

Mein Forschungsanliegen baut auf diesen Annahmen über die Sakralisierung des Individuums auf und stellt diese in ausgewählte Interaktionssituationen in modernen kapitalistischen Arbeitsgesellschaften, wie die der gegenwärtigen BRD. Ausgangsthese meines Forschens ist, dass die Überhöhung der Employability, die Subjektivierung der Arbeit (sowie ihre Folgen) und das ausgrenzende Stigma der Langzeitarbeitslosigkeit als Phänomene der gegenwärtigen Arbeitsgesellschaft nicht auf die Verdinglichung des Menschen sondern vielmehr auf die Sakralisierung des Warenwertes an sich deuten.

Es stellt sich folglich im Speziellen die Frage, welche Bedeutung dem Individuum in diesen Kontexten und extrapoliert allgemein in modernen kapitalistischen Arbeitsgesellschaften zukommt. Zudem soll untersucht werden, ob das Individuum des Marktes mit der einigenden Idee des unantastbaren ‚heiligen Menschen‘ vereinbar ist bzw. wie die Sakralisierungsprozesse in diesem angenommenen Spannungsfeld aussehen können.

Beteiligte Personen:

Yasemin Yilmaz