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Erfolgreiches = gesundes = gutes Altern? Altersbilder und Prämissen gerontologischer und sozialpolitischer Altersdiskurse in Deutschland

Basisinformationen:
Aktuelles:

Vortrag: Pfaller L. & Schweda M. (2018) „Successful Aging“ als Leitbild der Gesellschaft des langen Lebens? Soziologische Anmerkungen zu einem gerontologischen Konzept. – Komplexe Dynamiken globaler und lokaler Entwicklungen. 39. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie 24.09.-28.09.2018

Hintergrund:

Das gerontologische Konzept des „successful aging“ markiert ein zentrales Paradigma human- und sozialwissenschaftlicher Alternsforschung. Zugleich findet es Einzug in sozialpolitische Programme und bestimmt damit auch politische Zielsetzungen in alternden Gesellschaften. Entsprechend beeinflusst „successful aging“ schließlich auch gesellschaftlich-kulturelle Vorstellungen von Alter(n).

Dabei ist “successful aging“ nicht nur als theoretische Kategorie zur Beschreibung einer sich verändernden Altersphase zu verstehen. Mit dem Konzept verbindet sich vielmehr auch der Anspruch eines positiven „Reframings“ überlieferter Altersbilder und -vorstellungen: Im „erfolgreichen Altern“ kommt die Überwindung lange vorherrschender Defizitmodelle des Alters zu Gunsten einer an Ressourcen und Potenzialen orientierten Perspektive auf das spätere Leben zum Ausdruck. Dabei werden oft wie selbstverständlich medizinische und entwicklungspsychologische Vorstellungen von Gesundheit, Funktionsfähigkeit und psychischem oder sozialem Wohlbefinden als maßgeblich vorausgesetzt. Insbesondere wird „erfolgreiches Altern“ vielfach mit aktivem und gesundem Altern in Beziehung gesetzt. Im Zeichen der „Gesundheitsgesellschaft“ und der Rationalität der Prävention ist es dabei nicht nur ein Thema der späteren Lebensphasen – beispielsweise beim Übergang in den Ruhestand –, sondern wird zu einem für die gesamte Biographie relevanten Faktor.

Das Projekt:

Im Mittelpunkt des vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Projektes steht die Frage nach dem normativen Gehalt von Konzepten des „successful agings“ und der ethischen Bewertung dieser gesellschaftlich wirksamen Leitbilder des Alterns. Dabei gilt ein besonderes Interesse der Rolle der Gesundheit und damit auch der Medizin und Gesundheitsversorgung sowie der Bedeutung, die verschiedene Gruppen dem „gesunden Altern“ als Prozess und Thema für die individuelle Lebensführung und Biographie zuschreiben.

Im Sinne einer empirisch informierten Ethik kombiniert das Projekt Methoden qualitativer Sozialforschung und systematischer ethischer Reflexion. Im soziologischen Teilprojekt werden auf Basis empirischer Forschung (Experteninterviews, „policy statements“, Fokusgruppen und Interviews mit Bürgerinnen und Bürgern) die gegenwärtigen gerontologischen, präventivmedizinischen und sozialpolitischen Diskursen zugrundeliegenden Konzepte „erfolgreichen Alterns“ und ihr Bezug zum Motiv der Gesundheit in seiner biographischen Relevanz rekonstruiert. Im ethischen Teilprojekt werden die rekonstruierten Konzepte mit Hinblick auf ihre normativen Prämissen analysiert und im Lichte der ethischen Frage nach den Bedingungen guten Lebens reflektiert.

Übergreifendes Ziel ist eine empirisch informierte und ethisch reflektierte Systematik von Konzeptionen „guten Alterns“ im Horizont von Medizin und Gesundheitswesen. Durch die Verknüpfung der Teilprojekte werden dabei sowohl wissenschaftlich als auch gesellschaftspolitisch relevante Ergebnisse erwartet: zum einen eine empirisch fundierte Einschätzung gesundheitspolitischer Ansprachen der Bevölkerung im Hinblick auf ihre alltagsweltliche Angemessenheit, zum anderen eine ethische Reflexion wissenschaftlich, politisch und öffentlich wirksamer Leitbilder des Alterns im Hinblick auf die Bedingungen eines würdevollen und gelingenden menschlichen Lebens.

Das Projekt ist in interdisziplinäre Forschungskontexte eingebunden und arbeitet mit Kooperationspartnerinnen und -partnern der FAU sowie Alter(n)sforscherinnen und -forschern im deutschsprachigen Raum zusammen.

Beteiligte Personen:

Dr. Larissa Pfaller

PD Dr. Mark Schweda, Universitätsmedizin Göttingen, Institut für Ethik und Geschichte der Medizin

Angelika Wunder

Benjamin Stefan

KooperationspartnerInnen:

Prof. Dr. Dr. h.c. Heiner Bielefeldt: Lehrstuhl für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik, FAU

Prof. Dr. Susanne Wurm: Professur für Psychogerontologie, FAU

Marie-Kristin Döbler M.A. & Alexander Kewitsch M.A.: Forschungsprojekt „Einfluss von institutionellen Rahmen-bedingungen auf die Lebensqualität von Alten(pflege)heimbewohner_innen“, gefördert vom Bayrischen Kultusministerium, FAU

Dr. Heinz Rüegger: Institut Neumünster, Stiftung Diakoniewerk Neumünster, Schweizerische Pflegerinnenschule

Prof. Dr. Kai Brauer: Leiter des Institute for Applied Research on Aging (IARA); Professur für Soziale Arbeit mit Schwerpunkt Alter/Altern an der FH Kärnten AG Altern und Ethik der Akademie für Ethik in der Medizin

  • Pfaller, L. & Schweda, M. (2017): „Successful Aging“ und gutes Altern. Zur Reflexion gerontologischer Leitbilder. In: Angewandte GERONTOLOGIE Appliquée 17 (3), S. 20-21
  • Schweda, M, Coors, M., Mitzkat, A., Pfaller, L. Rüegger, H., Schmidhuber, M., Sperling, U., Bozzaro, C. (2017): Ethische Aspekte des Alter(n)s im Kontext von Medizin und Gesundheitsversorgung: Problemaufriss und Forschungsperspektiven. In: Ethik in der Medizin. 30 (1), S. 5-20
  • Schmitt, R., Schröter J., Pfaller, L. (2018): Metaphern des Alter(n)s. In: dies.: Systematische Metaphernanalyse. Eine Einführung. Wiesbaden: Springer VS, S. 121-132.
  • Pfaller, L. (2018): Kommentar zu Martina Schmidhuber: Zur Pathologisierung und Medikalisierung des Alters. „Der politische Körper. Natur und Naturverhältnis im biotechnischen Zeitalter“. Nürnberg, 12.-13.03.2018.
  • Schweda M. (2018): „Grenzen der Medizin im Alter“ – AEV-Kamingespräch am 07.03.2018 in Hannover http://www.aev-medizin-ethik.info/2018/03/12/3-kamingespraech-7-3-2018-hannover/
  • Schweda M. & Pfaller L. (2017): „Successful Aging“ und das gute Leben – normative Implikationen gerontologischer Alterskonzepte. Vortrag im Rahmen von Konstruktionen und Gestaltungen des Alterns. Soziale Potentiale, demographische Mythen und technische Möglichkeiten – 2. Jahrestagung des IARA (Alternsforschungszentrum der FH-Kärnten). Villach, 21.-23.09.2017.
  • Pfaller L. & M. Schweda (2017): „Successful = Healthy = Good?“ – Gerontological Concepts of „Successful Aging“ in Germany and their Normative Implications. Vortrag im Rahmen von „(Un)Making Europe: Capitalism, Solidarities, Subjectivities“ – 13th Conference of the European Sociological Association (ESA). Athen, 29.08.-01.09.2017.
  • Schweda, M. (2017): A Season to Everything? Introducing Life Course Perspectives to Bioethical Debates on Aging. Vortrag im Rahmen von „Cultural Narratives, Processes & Strategies in Representations of Age and Aging“ (European Network in Aging Studies / North American Network in Aging Studies). Graz, 27.-30.04.2017.
  • Schweda, M. (2017): Zwischen Resignation und Optimierung: Sollen wir das Altern bekämpfen?. Vortrag beim Evangelischen Diakoniewerk Schwäbisch-Hall.
  • Pfaller, L. (2017): Imagination und Abjekt – die Grenzen des Vorstellbaren als Grenzen des Sozialen. Vortrag im Rahmen von „Wissensrelationen“ – 2. Sektionskongress der Wissenssoziologie. Dortmund, 21.-23.09.2017
  • Pfaller, L. (2017): Erfolgreiches, gesundes, gutes Altern? Soziologische und ethische Perspektiven auf „Successful Aging“. Vortrag im Rahmen des Forschungskolloquium (Institut für Psychogerontolgie). Nürnberg.
  • Pfaller, L. (SoSe 2017): Soziologie des Alterns. Hauptseminar, Institut für Soziologie.
  • Pfaller, L. (WiSe 17/18): Grenzen des Sozialen. Hauptseminar, Institut für Soziologie.

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