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Lebensqualität in Alten(pflege)heimen

Basisinformationen:
Projektbeschreibung und erste Ergebnisse (Stand Dezember 2017):

Seit einigen Jahren sind „Pflegenotstand“ und „Fachkräftemangel“ zu den zentralen Schlagworten geworden, die mit dem Pflegesektor assoziierten werden. Dadurch wird der Fokus der öffentlichen sowie auch der wissenschaftlichen Aufmerksamkeit vorrangig auf die Pflegekräfte, die Organisation von Arbeit und die Finanzierung von Pflege gerichtet. Sicherlich ist es richtig und wichtig, sich damit auseinanderzusetzen. Aber es darf auch nicht aus den Augen verloren werden, dass die ‚Objekte‘ der Pflege nicht nur Fälle, Termine oder Patienten sind, die es medizinisch und pflegerisch gut zu versorgen gilt. Vielmehr müssen Pflegeempfänger*innen und alte Menschen mit ihren Wünschen und Bedürfnissen ernstgenommen und das Alter als Lebensphase anerkannt werden. Mit verschiedenen Pflegegesetzreformen ist diesem Umstand in den letzten 30 Jahren partiell Rechnung getragen worden. Auch haben sich die Selbstverständnisse von Alten- und Pflegeeinrichtungen verändert, die längst keine Verwahrungsanstalten mehr, sondern moderne Dienstleistungsunternehmen sind. Dennoch stellen die Unterbringung und Pflege älterer Menschen insbesondere durch die zunehmende Alterung der Bevölkerung mehr denn je eine Herausforderung dar. Hierbei heißt es nicht nur, organisatorische und logistische Schwierigkeiten zu lösen. Vielmehr wächst mit der Ausdehnung der Lebensphase ‚Alter‘ und der Anerkennung dieser Lebensphase die Notwendigkeit Alten(pflege)heimbewohner*innen besser verstehen zu lernen. Dazu gehört auch herauszufinden, was es braucht, dass diese zufrieden sind, ihr Wohlbefinden erhalten bleibt oder sich sogar steigert.

Im Fokus dieses Teilprojekts steht daher die Frage nach der Lebensqualität von Bewohner*innen von Alten(pflege)heimen. Lange Zeit galt Lebensqualität als rein subjektives Empfinden, so dass man sich mit der Schwierigkeit konfrontiert sah, wie man diese ‚messen‘ und beeinflussen könnte. Heute weiß man, dass man allgemeine Dimensionen identifizieren kann, die die Lebensqualität im Alter generell bestimmen und dass sie ‚von außen‘, durch institutionelle Rahmenbedingungen geprägt wird.

Wir fragen nun ganz konkret nach jenen Faktoren, die sich auf die Lebensqualität von Alten(pflege)heimbewohner*innen auswirken. Um eine möglichst differenzierte, umfassende Antwort darauf zu finden, berücksichtigen wir verschiedene Perspektiven, Kontexte und Einrichtungsvoraussetzungen. Das bedeutet, dass wir Heimleitungen, Pflege- und Betreuungspersonal sowie Alten(pflege)heimbewohner*innen befragen. So lassen sich organisatorische, arbeitspraktische und subjektive bzw. lebensweltliche Aspekte benennen und miteinander in Beziehung setzen. Darüber hinaus werden unterschiedliche Heimarten (Altenwohnheim, Altenheim, Altenpflegeheim) mit variierenden Belegungskapazitäten an verschiedenen räumlichen Standorten (ländlich / städtisch) und mit divergierenden Trägerschaften (öffentlich, gemeinnützig, privat) in die Untersuchung einbezogen. Auf diese Weise gewinnen wir Erkenntnisse über Maßnahmen, die man ergreifen könnte, um die Lebensqualität zu verbessern.

Erste Ergebnisse verweisen auf eine Vielzahl von Aspekten, die sich in der Praxis in Alten(pflege)heimen auf die die Lebensqualität der Bewohner*innen auswirken. Auf Seiten der Organisationen sind es z.B. die Regelung von Besuchszeiten oder die Ein- und Anbindung des Alten(pflege)heims an die Nachbarschaft. Auf Ebene der Arbeitspraxis sind es Anpassungsprobleme älterer bzw. langjähriger Pflegekräfte, die – ggf. auf Grund der Pflegebedingungen, des Zeit- und Termindrucks oder der pro Pfleger*in zu betreuenden Heimbewohner*innen – an der Vorstellung einer Verwahrungseinrichtung festhalten und sich nicht als Dienstleister verstehen. Daher stößt die Umsetzung des Leitbildes einer individualisierten und aktivierenden Pflege auf Hindernisse, die nicht nur finanzieller, sondern auch personeller Art sind. Das liegt aber nicht nur an den Pflegekräften, sondern teils auch an den Bewohner*innen selbst, die sich beispielsweise Pflegeheime als autoritäre Einrichtungen vorstellen (ganz so, wie sie Heime erlebt hatten, als sie ihre eigenen Eltern in Heimen untergebracht hatten), weshalb individuelle Bedarfe nicht an das Personal adressiert bzw. individualisierte Angebote nicht wahrgenommen werden.

Beteiligte Personen:

Leitung: Prof. Dr. Nicole J. Saam

Marie-Kristin Döbler M.A.

Dr. Katrin Drasch

Ehemalige Mitarbeiter: Alexander Kewitsch M.A.

Kooperationspartner:

ForGenderCare