Großer Erfolg: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die Ethnologin PD Dr. Viola Thimm in die höchst kompetitive Heisenberg-Förderung aufgenommen. Sie beginnt ihr Projekt „Gender, Queer, Islam: Transregionale Rekonfigurationen Muslimischer Pilger*innenschaft“ am Lehrstuhl für Kultur- und Sozialanthropologie als Teil des Instituts für Soziologie zum 1. April 2026. Die DFG fördert das Vorhaben über eine Laufzeit von fünf Jahren.
Die Heisenberg-Förderung ermöglicht es hochqualifizierten Wissenschaftler*innen, an einer selbst gewählten Institution ihre herausragenden Projekte fortzusetzen, um sich dadurch innerhalb der fünfjährigen Förderungsdauer auf eine Professur vorzubereiten. Das Förderprogramm ist offen für Wissenschaftler*innen, die bereits die Voraussetzungen erfüllen, um auf eine unbefristete Professur berufen zu werden.
PD Dr. Viola Thimm wird ihr Heisenberg-Projekt dazu nutzen, in der internationalen Forschungslandschaft der Kultur- und Sozialanthropologie eine neue Forschungsagenda zu etablieren: Gender-, sexualitäts- und religiös-kulturelle Transformationen im Nexus mit Im/Mobilität in globaler Perspektive, Schwerpunkt Südostasien, insbesondere Malaysia. Das Hauptziel ihrer Forschung ist es, verschiedene Formen der Kommensurabilität und Inkommensurabilität von Spiritualität und Queerness in der muslimischen Pilger*innenschaft zu untersuchen.
Queer und muslimisch-Sein wird oft als unmöglich oder als Sünde angesehen – und doch ist die muslimische Pilgerfahrt (Hadsch und die „kleinere“ Umrah) ein globales Phänomen unserer Zeit. Sie ist durch die zunehmende Anzahl von Social-Media-Beiträgen von Schwulen, Lesben oder Transpersonen, die ihre Pilgerfahrt durchgeführt haben, sichtbar geworden und hat dadurch weltweit an Bedeutung gewonnen. Wir leben in Zeiten, in denen Homosexualität in den meisten Golfstaaten mit dem Tod bestraft wird; gleichzeitig werden in Europa selbstorganisiert von Imamen schwule und lesbische Ehen geschlossen. In diesen Zeiten streben queere Muslim*innen durch das Pilgern – die wichtigste Form der Verbindung zu Allah – nach mehr Selbstsicherheit in Bezug auf ihre eigene Identität.
Normalerweise gibt die Vorstellung von geschlechtlicher Binarität den Rahmen für jedes islamische Ritual vor. Auffallend ist, dass die Rituale der Hadsch und Umrah, die in der Heiligen Moschee in Mekka durchgeführt werden, eine Ausnahme von dieser Regel darstellen. Dies sind die einzigen auf der Welt, bei denen die Geschlechter nicht getrennt werden. Viola Thimm wirft in ihrem Heisenberg-Projekt die Frage auf, ob die Pilgerfahrt das Potenzial hat, dass queere Muslim*innen sich freier entfalten können, auch wenn queere Identifikationen weiterhin verborgen bleiben müssen, da sie als Sünde gelten und gemäß der saudischen wahhabitischen Ideologie bestraft werden.
Zuletzt arbeitete PD Dr. Viola Thimm als Senior Lecturer an der FAU im Elite-MA-Studiengang „Standards of Decision-Making across Cultures“ (SDAC). Von 2022–2023 war sie im SDAC Professorin für Kultur- und Sozialanthropologie (W2) a.Z. sowie Programmdirektorin und Geschäftsführende Direktorin. Sie habilitierte sich 2021 an der Universität Heidelberg mit der Ethnographie „Shopping with Allah: Muslim Pilgrimage, Gender, and Consumption in a Globalised World” (UCL Press, 2023) und erhielt die Venia Legendi in Ethnologie. Promoviert wurde sie 2013 an der Universität Göttingen, Institut für Ethnologie, mit der Ethnographie „Geschlecht und Bildungsmigration: Lebensentwürfe und Weiblichkeitsbilder malaysischer Bildungsmigrantinnen in Singapur“ (Transcript 2014). Viola Thimm hat sieben Bücher publiziert, davon drei Monographien als Alleinautorin, und war an führenden Universitäten im Ausland tätig.
Kontakt: viola.thimm@fau.de
